Sie sind hier >  /  
< Wenn Rechtsextreme aussteigen wollen

Mehr Sicherheit im Fußball

Alle müssen an einem Strang ziehen

Gewalt im Fußball ist ein Dauerthema

© Konstantin Yuganov, fotolia

 

Gewalt im Fußball ist und bleibt ein Thema in der Gesellschaft. Denn bei Spielen kommt es immer wieder zu Schlägereien und Angriffen gegen Ordnungskräfte und Polizisten. Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) fordert daher ein „Sofort-Programm für die Stadien“, das gemeinsam vom DFB, den Vereinen und der Polizei umgesetzt werden soll. Auf Bundesebene wird außerdem das „Nationale Konzept für Sport und Sicherheit“ weiterentwickelt.

 

 „Wenn wir verhindern wollen, dass 4.000 gewaltbereite Fußballfans die Fußballkultur in Deutschland kaputt machen, dann brauchen wir verbindliche Vereinbarungen zwischen allen Verantwortlichen“, so der ehemalige GdP-Bundesvorsitzende Bernhard Witthaut.´ Außerdem sollen Vereine, wenn sie nicht genügend qualifizierte Ordner bei Spielen einsetzen, die Kosten für dadurch ausgelöste Polizeieinsätze tragen. Eine weitere Forderung der GdP: Die Fußballvereine müssen sich konsequent von Fangruppen distanzieren, von denen Gewalttaten begangen werden. „Die Vereine haben bei den Problem-Fans zu lange weggeschaut. Daran hat sich bis heute nichts verändert“, so Witthaut. Bei Risikospielen müssten Sicherheitsaspekten außerdem ein größerer Stellenwert eingeräumt werden – diese Spiele dürften nicht abends stattfinden. Hier seien DFB und DFL in der Pflicht. Notfalls müssten die Spiele verlegt werden. Aber auch die Politik soll ihren Teil dazu beitragen, dass Fußballspiele sicherer werden. Übergriffe in Stadien und deren Umfeld lassen sich nur verhindern, wenn die verantwortlichen Polizeiführer vor Ort ein genaues Bild der Lage haben. Deshalb müssten die Innenminister dafür sorgen, dass der Jahresbericht der Zentralen Informationsstelle Sporteinsätze der Polizei (ZIS) bereits unmittelbar nach dem Ende der jeweiligen Bundesligasaison vorliege und nicht wie bislang üblich erst während der laufenden nächsten Saison. Die Gewerkschaft der Polizei sieht das von ihr geforderte Sofort-Programm als ein Angebot an Fans und Vereine. „Sollte es nicht gelingen, gemeinsam der zunehmenden Gewalt in den Stadien etwas entgegenzusetzen, werden sich in der Politik diejenigen durchsetzen, die Stehplätze in den Stadien abschaffen und jeglichen Alkoholkonsum in den Stadien verbieten wollen. Damit würde ein Stück der deutschen Fußballkultur sterben“, warnt Bernhard Witthaut 

Privatsphäre von Spielern respektieren

Der GdP-Bundesvorsitzende zeigte sich auch entsetzt über die Angriffe auf den Kölner Fußball-Profi Kevin Pezzoni. Dieser war im August 2012 von Unbekannten bedroht worden, die ihm unter anderem in seinem Haus aufgelauert hatten. „Wenn so genannte Fans es nicht mehr vermögen, zwischen Fußballwelt und Privatsphäre eines Spielers zu unterschieden, dann ist eine neue, zutiefst bedrückende Eskalationsstufe erreicht. Vereine und Fans müssen jetzt die Nagelprobe bestehen. Gemeinsam können sie das Bild vom friedlichen Fußballfest wieder gerade rücken“, so Witthaut. Die Vereine müssten deutlich machen, wer Herr im eigenen Hause sei und ihren klaren Regelrahmen in der Fanszene ausreichend kommunizieren. „Jedem Fan muss klar sein, wo die Grenzen der Fanunterstützung erreicht sind. Wer diese Grenzen mutwillig überschreitet, wird als Straftäter behandelt und dauerhaft vom Fußball isoliert“, betonte der ehemalige GdP-Bundesvorsitzende. 

Beim Thema Sicherheit müssen alle an einem Strang ziehen

© flashpics, fotolia

 Bundesweit neues Konzept gegen Gewalt im Fußball

Aber auch das NRW-Innenministerium setzt sich gegen Gewalt im Fußball ein. Innenminister Ralf Jäger stellte im August 2012 das neue „Nationale Konzept für Sport und Sicherheit“ vor. Das Konzept soll für mehr Sicherheit an den Spieltagen sorgen. Ziel ist es dabei, durch die intensive Zusammenarbeit von Ministerien, Polizei, Kommunen, Vereinen und Verbänden, Fanprojekten und Verkehrsunternehmen eine verantwortungsbewusste Fankultur zu fördern. Dabei sollen der Dialog und die Unterstützung der friedlichen Fans sowie ein konsequentes Vorgehen gegen Gewalttäter im Fokus stehen. Mit dem Konzept werden nationale Richtlinien eingeführt, nach denen an allen Spielorten verfahren wird. Ein einheitliches Handeln von Polizei und Veranstaltern soll ihre Akzeptanz bei den Fans erhöhen, Konfliktsituationen sollen auf diese Weise vermieden werden. „Damit wir das Konzept auf Bundesebene vollständig umsetzen können, müssen sich alle Beteiligten dauerhaft engagieren und all ihre Möglichkeiten ausschöpfen“, so Ralf Jäger.

Fan-Dialog und konsequentes Vorgehen gegen Gewalttäter

In regelmäßigen Sitzungen sollen im Nationalen Ausschuss Sport und Sicherheit (NASS) aktuelle Entwicklungen, Phänomene und Lösungen erörtert und das gemeinsame Handeln abgestimmt werden. In den Örtlichen Ausschüssen Sport und Sicherheit (ÖASS) soll ein spieltagsunabhängiger Austausch vor Ort stattfinden, um maßgeschneiderte Lösungen für lokale Probleme zu entwickeln und ein abgestimmtes und einheitliches Handeln aller Netzwerkpartner zu gewährleisten. Außerdem betont das neue Konzept die besondere Verantwortung der Vereine und Verbände als Veranstalter für die Sicherheit in den Stadien. Deshalb gibt es klare Anforderungen an die Sicherheitsbeauftragten, Veranstaltungsleiter und Ordnungsdienste. Weitere wesentliche Bausteine für die Sicherheit sind die Stadienordnungen, die Spieltagsplanung, eine fortlaufende Risikobewertung, gemeinsam getragene Sicherheitskonzepte sowie Stadionverbote für Straftäter und Störer. Ein weiterer wichtiger Punkt ist eine verantwortungsbewusste, sich selbst regulierende Fankultur. Dafür ist eine klare Distanzierung von Gewalt und Straftätern sowie von gefahrenträchtigem Verhalten wie dem Einsatz von Pyrotechnik notwendig. Unterstützung leisten hier unter anderem so genannte Kurvengespräche von Fans mit dem Sprecher des Fanprojekts, dem Fan- und dem Sicherheitsbeauftragten des Vereins sowie dem Ordnungsdienst der Polizei. Aber auch der Fanreiseverkehr ist ein wichtiges Thema. Hier sind sowohl die Transportunternehmen als auch die Vereine in der Pflicht: Die Unternehmen sollen für ausreichende Transportkapazitäten und attraktive Reisemöglichkeiten für Fans sorgen, von den Vereinen müssen die Fanreisen besser organisiert und begleitet werden.

Weitere Infos für Polizisten

Psychologen suchen nach Ursachen und Präventionsstrategien

Wenn ein Schüler zur Schusswaffe greift und damit Lehrer und Mitschüler attackiert, ruft das Entsetzen und...[mehr lesen]

Sicheres Online-Shopping, Umtauschrecht und Gutscheingültigkeit

Gegen Jahresende werden die Menschen zu Jägern und Sammlern: Etliche Geschenke werden fürs Weihnachtsfest gekauft....[mehr lesen]

Internet-Kriminalität schädigt die Wirtschaft

Gehackte Unternehmensnetzwerke und Diebstahl sensibler Daten von Firmen-Computern: Cybercrime ist zur allgegenwärtigen...[mehr lesen]

Trauma durch das Miterleben häuslicher Gewalt

Ein elfjähriges Mädchen ruft mitten in der Nacht bei der Polizei an. Es berichtet: Die Eltern streiten sich in der...[mehr lesen]

Weniger Straftaten, mehr Sicherheit

Dunkle Fußgängerunterführungen, kaum einsehbare Bushaltestellen oder schlecht beleuchtete Parkplätze: Solche...[mehr lesen]

Newsletter