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Projekt „Kinder stark machen“

Kinder dürfen auch mal „Nein!“ sagen

© velazquez, fotolia

Reden ist Gold

In der Trainingseinheit „gute Geheimnisse – schlechte Geheimnisse“ wird den Kindern nahegebracht, welche „Geheimnisse“ sie für sich behalten dürfen und welche sie unbedingt jemandem anvertrauen sollten. „Täter setzen Kinder oftmals unter Druck und verdonnern ihre Opfer zum Schweigen – sie erpressen die Kinder regelrecht, nach dem Motto: ‚Wenn du etwas sagst, passiert etwas Schlimmes. Das bleibt unser Geheimnis.‘ Die Kinder sollen ein Gespür dafür bekommen, wo der Unterschied zwischen einem harmlosen Geheimnis und einem gefährlichen Geheimnis liegt.“ Anhand von kleinen Geschichten sollen die Kinder entscheiden, welche Geheimnisse „gut“, und welche „schlecht“ sind. Zum Beispiel: Die Mutter kauft dem Vater zum Geburtstag eine Digitalkamera, die er sich schon lange gewünscht hat – das ist ein gutes Geheimnis. Oder: Der Opa sieht, wie die Enkelin die Perlenkette der Mutter kaputtmacht. Er gibt ihr Geld, damit sie die Perlenkette reparieren lassen kann. Dafür verlangt er einen Kuss – und dass die Enkelin es niemandem erzählt. Das ist ein schlechtes Geheimnis. „Man muss begreifen, mit welchen Mechanismen Täter arbeiten, um ihre Opfer zum Schweigen zu bringen. Und Kinder müssen verstehen, dass sie sich in solch einer Situation unbedingt jemandem anvertrauen müssen. Weil sie dort alleine nicht herauskommen“, erklärt Frank Kunze. 

Schattenriss e. V. ist eine Beratungsstelle gegen sexuellen Missbrauch an Mädchen und bietet Hilfe und Informationen für Betroffene und deren Angehörige.

„Schatzkiste“ zur Erinnerung

Am Ende jeder Lehreinheit erhalten die Kinder ein kleines Geschenk, das sie in eine kleine Schatzkiste legen, die sie vor Programmbeginn zusammen mit der Lehrerin gebastelt haben. Jeder kleine Gegenstand steht dabei für etwas Gelerntes: Ein Button, auf dem steht „Ich bin schlau, ich hole mir Hilfe“, ein kleiner Halbedelstein, der symbolisiert, dass der eigene Körper wertvoll ist und niemand ihn ohne Erlaubnis anfassen darf. Oder eine kleine Polizeihaltekelle, die daran erinnert, dass man „Stopp“ sagen und laut werden darf, wenn einem etwas nicht geheuer ist. „Bei den Kindern kommt das sehr gut an. Außerdem fällt es ihnen auf diese Weise leichter, sich auch später noch an das Gelernte zu erinnern.“ Als Abschiedsgeschenk bekommen die Kinder eine kleine Karte, auf der sie die Telefonnummern von Vertrauenspersonen eintragen und die sie immer bei sich tragen können. „Auf der Karte sind auch die Nummer der Polizei, von dem Verein Schattenriss beziehungsweise dem Bremer JungenBüro. Manchen Kindern fällt es nämlich leichter, zunächst anonym über ein Problem zu sprechen.“ 

Das Bremer JungenBüro e. V. ist eine Informations- und Beratungsstelle für Jungen, Jugendliche und junge Männer, die sexualisierte, körperliche oder seelische Gewalt erleben oder erlebt haben sowie deren Angehörige.

Polizei als Freund und Helfer

Ein durchaus gewollter Nebeneffekt des Präventionsprogramms ist, dass die Kinder ihre Berührungsängste gegenüber der Polizei abbauen. „Wir vermitteln ihnen, dass die Polizei dazu da ist, zu helfen, und dass man sich jederzeit an einen Polizisten oder eine Polizistin wenden kann, wenn man Hilfe braucht.“ Auch dass das sensible Thema Missbrauch von der Polizei erklärt wird, hält der Experte für wichtig. „Wenn wir in Uniform in die Schulen kommen, sind wir ein Highlight. Die Kinder finden das total spannend. Wir haben da schon ein gewisses Standing und das, was wir sagen und erklären hat vielleicht nochmal ein bisschen mehr Gewicht und Bedeutung als das, was die Lehrerin sagt“, weiß Kunze. 

„Kinder stark machen“-Merksätze:

Niemand darf mich berühren, wenn ich das nicht möchte. Ich darf „Nein!“ sagen, wenn ich eine Berührung nicht möchte und ich darf mich wehren. Ich bin nicht schuld, wenn mich trotzdem jemand anfasst. Ich darf einer Vertrauensperson erzählen, wenn jemand etwas gegen meinen Willen tut. Ich darf mir Hilfe holen, wenn jemand versucht, etwas mit mir zu machen, was ich nicht will. (SW)

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