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< „Die Leute sollen nicht einfach die Augen zumachen“

Immer wieder Asbest

 

Asbestfasern unter dem Mikroskop

© LKA Berlin

Moderne Technik gegen Umweltsünder

Um bei Umweltverstößen möglichst schnell Ermittlungen und – falls notwendig – Schutzmaßnahmen für die Bevölkerung einleiten zu können, arbeitet das Berliner LKA eng mit der Spezialeinheit LKA KT 61 (Kriminaltechnik) zusammen. Die im Februar 2005 neu gebildete Fachgruppe unterstützt die Berliner Umweltfahnder bei der Tatortarbeit und der Entnahme von Proben sowie der physikalischen und chemischen Analyse potentieller Gefahrenstoffe. Ihre Mitglieder sind Akademiker und Ingenieure verschiedener Fachdisziplinen. Besteht durch einen Hinweis des LAGetSi der Verdacht, dass auf einer Baustelle unsachgemäß mit gefährlichen Stoffen umgegangen wird, erkunden die Spezialisten der KT 61 mit moderner Spür- und Messtechnik das Gelände. Einer von ihnen ist Andreas Hollburg, der in Zusammenarbeit mit dem LKA und der Staatsanwaltschaft für die Beweissicherung und das Erstellen von Gutachten zuständig ist.Beweise für falsch deklarierten und asbestverseuchten Abfall sind laut Hollburg schnell gefunden: „Bei einem Verdacht können unsere erfahrenen Labormitarbeiter eine Probe lichtmikroskopisch untersuchen und den Behörden sofort den Nachweis erbringen, ob das Material asbesthaltig ist oder nicht.“ Die Errungenschaften der Kriminaltechnik erweisen sich bei der Suche nach Umweltgiften inzwischen als unersetzlich. Ob Asbest im Bauschutt, Zink im Abwasser, unbekannte Chemikalien oder Giftstoffe in der Luft – moderne Hilfsmittel wie Spürsonden, Gaschromatographen oder Ionenmobilitätsspektrometer sind selbst von trickreichen Umweltsündern nicht hinters Licht zu führen. Das Beispiel eines Berliner Galvanikbetriebes zeigt, wie effizient moderne Technik heute die Strafverfolgung im Bereich der Umweltdelikte verbessern kann. Das Industrieunternehmen, das mittels eines elektrochemischen Verfahrens Metallteile veredelte, stand im Verdacht, schwermetallhaltige Abwässer in die Berliner Kanalisation zuleiten. Daraufhin brachten Mitarbeiter von LKA KT 61 innerhalb der Kanalisation automatische Probenehmer an, die im Abstrom des Unternehmens sofort Wasser zogen, sobald die Messfühler im Abwasser erhöhte Leitfähigkeit, Temperatur oder pH-Werte detektierten. Der Clou an dem damals eingesetzten System war aber nicht nur die gewonnene Abwasserprobe, sondern die mit dem Ausschlagen der Messinstrumente verbundene Alarm-SMS an die Leiter der mobilen Einsatztrupps von LKA und KT. Diese konnten den Betrieb im Rahmen der Gefahrenabwehr und Strafverfolgung sofort durchsuchen und auf diese Weise wichtiges Beweismaterial sicherstellen.

Spezialisten an einem Tatort

© LKA Berlin

Trend: Ätzende Graffitis 

Mit deutlich geringeren Erfolgsaussichten stehen die Berliner Umweltermittler dagegen einem ganz neuen Trend gegenüber: Zusätzlich zu den klassischen Bereichen der Umweltkriminalität hat in Berlin in den letzten zwei Jahren auch ein Delikt aus dem Umfeld der Sprayer-Szene immer stärker die Aufmerksamkeit des Umweltdezernats erregt. Dabei werden nicht wie bisher Schriftzüge auf Häuserwände oder S-Bahnen gesprüht, sondern stattdessen mit hochtoxischer Flusssäure in die Oberfläche von Glasscheiben geätzt. Beliebte Angriffsziele sind Bahn- und Bushaltestellen sowie Rolltreppen und Aufzüge. „Der Umgang mit diesen giftigen Substanzen ist sehr gefährlich“, erklärt Olaf Schremm. Flusssäure ist ein ätzendes Kontaktgift, das sofort von der Haut aufgenommen wird und zur Verletzung tieferer Gewebeschichten und der Knochen führen kann. Die ätzende Wirkung der Säure machen sich normalerweise Glasereien zu Nutze, wenn Fenster oder Türen mattiert werden sollen. Der Kontakt mit dem Stoff kann bei hohen Dosen sogar zum Tod führen. Gefährdet ist vor allem das Reinigungspersonal von Bussen und Bahnen. Die Täter kann das LKA nur schwer ermitteln, weil es sich um einen kleinen Personenkreis handelt, der sich auch von den herkömmlichen Sprühern bewusst abgrenzt. Bestehende Kontakte in die Szene sind deshalb kaum eine Hilfe. „Wir klappern vor allem die Chemie-Großhändler ab, um dort Informationen zu den Käufern von Flusssäure zu bekommen. Oft leider vergeblich“, so der Leiter des Umweltdezernats. Die durch die ätzenden Graffitis verursachten Schäden belaufen sich inzwischen alleine bei den Berliner Verkehrsbetrieben auf eine siebenstellige Summe pro Jahr.

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