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Die „Gemeinsame Fahndungsgruppe Neiße“

Deutsche und polnische Polizisten im Kampf gegen PKW-Diebe

 
 PKW-Diebstahl geschieht oft im Rahmen organisierter Kriminalität

© juefraphoto, fotolia

 

KFZ-Diebstahl ist besonders in den Grenzgebieten Deutschlands ein Problem. Denn südosteuropäische Tätergruppen kommen in die BRD, um hier gezielt Fahrzeuge zu stehlen. Um koordinierter gegen die Täter vorgehen zu können, hat die Polizeidirektion Görlitz in Kooperation mit der polnischen Polizei die „Gemeinsame Fahndungsgruppe Neiße“ ins Leben gerufen. 

Grenzüberschreitende Kriminalität 

„Die grenzüberschreitende Kriminalität bildet bei uns in Görlitz einen großen Schwerpunkt bei der Polizeiarbeit“, erklärt Polizeihauptkommissar André Schäfer von der Pressestelle der Polizeidirektion Görlitz. „Hauptsächlich geht es dabei um Eigentumskriminalität, bei der KFZ-Diebstahl eine wesentliche Rolle spielt, aber auch um Kleinkriminalität wie Ladendiebstahl oder Metalldiebstahl.“ Bei den Tätern handelt es sich meist um Südosteuropäer wie Polen, Rumänen, Tschechen oder Ukrainer, die häufig über die polnische Grenze nach Deutschland kommen. Um der grenzüberschreitenden Kriminalität besser begegnen zu können, ist eine enge Kooperation mit den angrenzenden ausländischen Behörden wichtig. Schon seit dem Jahr 2002 gibt es daher ein Abkommen zwischen Deutschland und Polen, in dem die Zusammenarbeit der Polizei- und Grenzschutzbehörden in den Grenzgebieten geregelt ist. In diesem „Polizeivertrag“ wurden Rahmendbedingungen festgelegt, wie die grenzüberschreitende Kriminalität gemeinsam bekämpft werden kann. 

Gemeinsam gegen Autodiebe vorgehen 

In Görlitz wurde deshalb im Jahr 2008 die „Gemeinsame Fahndungsgruppe (GFG) Neiße“ gegründet. Man startete damals mit zehn Fahndern – fünf auf deutscher und fünf auf polnischer Seite, deren Zuständigkeitsbereich die deutsch-polnischen Grenzgebiete sind. „Mittlerweile hat sich die Anzahl der Mitglieder der Fahndungsgruppe verdoppelt und wir haben sowohl bei der deutschen als auch bei der polnischen Polizei zehn Ermittler“, erklärt André Schäfer. Die Fahndungsgruppe ist in ihrem jeweiligen Land an die Kriminalpolizei angebunden, denn sie arbeiten nicht nur operativ, sondern übernimmt auch die Ermittlungen zu den jeweiligen Fällen. „Der Hauptvorteil der Fahndungsgruppe sind die kurzen Wege, man kann viel schneller reagieren und Maßnahmen schneller umsetzen“, so Schäfer. Wenn früher in Deutschland ein Fahrzeug gestohlen wurde und der Täter in Polen gefasst wurde, musste erst ein langwieriger Schriftverkehr in Gang gesetzt werden. „Wir mussten damals den Weg über unsere Oberbehörden und im Anschluss über die jeweiligen Botschaften gehen, was zum Teil mehrere Wochen gedauert hat. Jetzt wird alles direkt über die zuständige deutsche und polnische Staatsanwaltschaft geregelt, was viel besser und unproblematischer funktioniert“, erklärt der Pressesprecher. Auch Durchsuchungen ließen sich jetzt viel schneller regeln – wenn es sein muss, sogar innerhalb von nur einer Stunde. 

Auch wenn sich die Wege verkürzen, ändert die Zusammenarbeit nichts an den Zuständigkeiten. „Einsatzgruppen und Streifen müssen immer so besetzt sein, dass sowohl polnische als auch deutsche Beamte mit dabei sind. Wenn wir etwa eine Durchsuchung auf polnischer Seite machen, dann müssen auch polnische Polizisten anwesend sein. Außerdem muss die Durchsuchung von der polnischen Staatsanwaltschaft genehmigt werden“, so Schäfer. 

Polizeihauptkommissar André Schäfer

© Polizeidirektion Görlitz

Organisierte Kriminalität bei KFZ-Diebstahl 

Beim Autodiebstahl handelt es sich in vielen Fällen nicht um Einzeltaten, sondern um gut organisierte Tätergruppen, die bei ihren Diebeszügen sehr gezielt vorgehen. „Im Fokus der Täter stehen momentan Fahrzeuge der VW-Gruppe, also VW, Audi und Skoda. Die Diebe handeln dabei im Auftrag, das heißt, es gibt regelrechte Bestell-Listen mit Fahrzeugen, die sie dann hier in Deutschland abarbeiten“, weiß der Polizeihauptkommissar. Die Diebe würden die gestohlenen Fahrzeuge im Anschluss nicht selbst ins Ausland bringen, sondern extra Fahrer dafür beauftragen. „Werden diese auf der Rückfahrt von uns oder anderen Fahndungsgruppen gestellt, fängt die Arbeit erst an. Denn dann gilt es, an die Hintermänner und Auftraggeber zu kommen“, sagt Schäfer. Gefasst würden die meisten Täter auf der A4, die über Dresden und Görlitz nach Polen führt oder auf der A17 von Dresden nach Tschechien. 

Mehr Beschaffungskriminalität im Grenzgebiet 

Sorge bereitet den Beamten auch die zunehmende Beschaffungskriminalität von Drogensüchtigen in den grenznahen Gebieten. „Die Täter fokussieren sich hier auf Ladendiebstähle, aber auch die Fahrraddiebstähle haben in den vergangenen Jahren zugenommen. Allein in Görlitz wurden im Jahr 2013 über 600 Fahrräder gestohlen – und das in einer Stadt mit nur knapp 56.000 Einwohnern“, so Schäfer. Die oft teuren Fahrräder würden von den Tätern über die Grenze gebracht und dann für kleines Geld an Werkstätten verkauft, um ihre Sucht zu finanzieren. Die Werkstätten böten die Räder dann zu einem Bruchteil ihres eigentlichen Wertes auf Schwarzmärkten an. 

Regelungen weiter vereinfachen 

Auch wenn die Zusammenarbeit mit den polnischen Kollegen gut funktioniert und man sich auch auf persönlicher Ebene gut versteht, gibt es in manchen Bereichen noch weiteren Verbesserungsbedarf. „Die Rechtslage in Bezug auf die gemeinsame Zusammenarbeit ist insgesamt immer noch schwierig. Auch wenn es schon viele Vereinfachungen gegeben hat, kann man diesen Bereich sicher noch ausbauen. Vor allem, weil sämtliche rechtlichen Sonderregelungen auch wirklich nur für die Fahndungsgruppe gelten, nicht aber für unsere anderen Beamten“, so André Schäfer. Die Sprachbarrieren konnten in der Zwischenzeit dagegen sehr gut abgebaut werden, wie Schäfer erläutert: „In der Fahndungsgruppe selbst sprechen alle zehn Beamten gutes bis sehr gutes Polnisch, das erleichtert die Zusammenarbeit natürlich ungemein. Schön wäre es aber, wenn auch die anderen Beamtinnen und Beamten außerhalb der Fahndungsgruppe ihre Sprachkenntnisse weiter verbessern würden. Schließlich haben auch sie in ihrer Arbeit viel mit polnischen Staatsangehörigen zu tun.“ 

SW (28.03.2014) 

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