Sie sind hier >  /  /  
< Hakenkreuz und Hitlergruß

Radikalisierung im Netz

Die Gefahr des „Cyber-Dschihad“

Militante Islamisten nutzen das Internet zu Propagandazwecken

© sp4764, fotolia

 

Im Juli 2016 wurden in Ansbach 15 Besucher eines Musikfestivals durch eine Bombenexplosion verletzt. Wie die Ermittlungen zeigten, war ein 27-jähriger Syrer für den Anschlag verantwortlich. Dieser soll sich zur Dschihadistenmiliz „Islamischer Staat“ (IS) bekannt haben. Nicht der einzige Fall dieser Art: Zuvor sollen schon verübte Attentate in Paris, Orlando oder Würzburg von militanten Islamisten begangen worden sein. Dass sich diese Ideologie auch immer mehr in der westlichen Welt verbreitet, ist vor allem dem Internet zuzuschreiben. Im Netz werden dschihadistische Propaganda veröffentlicht und Mitstreiter angeworben. Die Redaktion von PolizeiDeinPartner.de sprach mit Dr. Bernd Zywietz, Medien- und Filmwissenschaftler, über die Hintergründe des so genannten „Cyber-Dschihad“ und die Vorgehensweisen von Dschihadisten im World Wide Web.

„Cyber-Dschihad“ – Was ist das?

„Der Dschihadismus ist eine extremistische Form des Islamismus. Mithilfe von militanten Mitteln wird ein bewaffneter „Gotteskampf“ geführt“, erklärt Bernd Zywietz. Unter „Cyber-Dschihad“ versteht der Experte die Organisation dieses Kampfes im Internet. So geht es zunächst darum, über die eigene Weltanschauung zu informieren. Auch die Verbreitung von Propagandamaterial, wie Filmen oder Videoclips sowie die Anwerbung von Mitstreitern, gelten als Form des virtuellen Dschihadismus. Zudem werden über das Netz Kontakte geknüpft und gepflegt. Auch die Organisation einer Ausreise von angeworbenen Kämpfern in den Irak oder nach Syrien fällt hierunter. Die Grenzen zu ähnlichen Begriffen sind jedoch fließend. So wird „Cyber-Dschihad“ häufig mit „Cyber-Terrorismus“ gleichgesetzt. „Diese Bezeichnung ist jedoch weiter gefasst. Hierzu zählen alle Handlungen im Internet, die dazu beitragen, einen Terroranschlag durchzuführen“, so der Experte. Dazu gehört die Kommunikation zwischen den Beteiligten, Anleitungen zum Bombenbau oder die Verschiebung von Geldern zur Durchführung eines Anschlags – aber auch die Verbreitung von Propaganda und die Rekrutierung neuer Mitstreiter für terroristische Aktionen. Werden mithilfe von Internet-Technologien Angriffe auf Computersysteme verübt, kann man das ebenfalls als „Cyber-Terrorismus“ bezeichnen. „Oder wenn das Internet oder Internetseiten lahmgelegt werden“, fügt Zywietz hinzu. Während „Cyber-Terrorismus“ nicht religiös begründet sein muss, stellt der „Cyber-Dschihadismus“ einen Teilbereich des virtuellen Terrorismus dar.

Seite: 1 2 weiter >>

Weitere Infos zum Thema Extremismus und Gewalt

Streben nach dem Gottesstaat

Anhänger von salafistischen Vereinigungen gelangen immer wieder in die Schlagzeilen, wenn sie ihre extremistischen...[mehr lesen]

Beratungsstelle für Opfer rechter Gewalt

Back up ist die erste Beratungsstelle für Opfer rechtsextremer Gewalt in ganz Westdeutschland. Seit November 2011...[mehr lesen]

Hasskommentare und Hetze im Internet

„Merkel muss öffentlich gesteinigt werden“ – nur eines von unzähligen Hasspostings, die täglich in den Kommentarspalten...[mehr lesen]

Die Arbeit der Aussteigerberater in Bayern

Seit Februar 2001 gibt es beim Bayerischen Landesamt für Verfassungsschutz ein Aussteigerprogramm. Das von Mitarbeitern...[mehr lesen]

„Man muss den Kindern andere Erfahrungshorizonte eröffnen!“

Ob in der Politik oder bei Demonstrationen aktiv – Menschen mit fremdenfeindlicher Einstellung gibt es überall in...[mehr lesen]

Newsletter