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Gewalt gegen Polizisten

„Schützt die, die euch schützen“

Die Gewalt gegen Polizeibeamte nimmt zu

© Arno Bachert, fotolia

 

Gewalttaten gegen Polizisten und Polizistinnen haben in den letzten Jahren stetig zugenommen. Bernhard Witthaut, ehemaliger Bundesvorsitzender der Gewerkschaft der Polizei (GdP) spricht über Fakten, Hintergründe und die Forderungen an die Politik, um Polizeibeamte besser zu schützen.

Herr Witthaut, in welchem Rahmen hat die Gewalt gegen Polizeibeamte zugenommen?

Konkrete Zahlen aus der Polizeilichen Kriminalstatistik dazu zu nennen ist schwierig. Prinzipiell zeigt diese Statistik, dass die Gewalt gegen Polizisten in den letzten zehn Jahren um 33 Prozent zugenommen hat. Diese Zahlen geben aber nicht die gesamte Realität wieder, da wir von einer Dunkelziffer ausgehen, weil viele Kolleginnen und Kollegen gar keine Anzeige erstellen. Außerdem wird erst seit dem Jahr 2010 in der Statistik getrennt erfasst, inwieweit tatsächlich Polizeibeamte Opfer einer Straftat geworden sind – vorher fiel alles undifferenziert unter „Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte“ – und das konnte beispielsweise auch ein Gerichtsvollzieher sein. Aufschlussreicher ist daher die Studie des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen „Gewalt gegen Polizeibeamte“ aus dem Jahr 2010, die in zehn Bundesländern durchgeführt wurde. Diese zeigt zum Beispiel, dass im Jahr 2009 rund 82 Prozent der befragten Beamten beschimpft, beleidigt oder verbal bedroht wurden – 90 Prozent von diesen Beamten sogar mehrfach. Besorgniserregend ist, dass die Zahl der schweren Verletzungen, bei denen Polizisten mindestens sieben Tage dienstunfähig waren, zwischen 2005 und 2009 um 60 Prozent zugenommen hat. Leichtere Verletzungen, mit ein- bis sechstägiger Dienstunfähigkeit, haben in diesem Zeitraum sogar um über 90 Prozent zugenommen. 

Bernhard Witthaut

Ehemaliger Bundesvorsitzender der Gewerkschaft der Polizei, © GdP

Wie sehen denn die Gewalttaten konkret aus?

Die häufigsten Täter sind junge, alkoholisierte Männer. Es fängt bei verbalen Beleidigungen an und geht von Schubsen und Bespucken über Tritte und Faustschläge bis hin zum Bewerfen mit Steinen, Flaschen oder Feuerwerkskörpern. Aber auch Angriffe mit Stich-, Hieb- und Schusswaffen kommen vor. Außerdem sind auch schon an Dienststellen bei privaten Fahrzeugen von Kollegen und Kolleginnen Radmuttern gelöst worden – zum Teil an allen vier Rädern. 

Im Rahmen von Demonstrationen werden am häufigsten Waffen eingesetzt. Die ausgeprägte Gewaltbereitschaft vor allem links- und rechtsextremistischer Gruppen ist wirklich besorgniserregend – die Einsatzkräfte sind hier immer öfter Angriffsziel brutaler Attacken beider Gruppierungen. So werden Polizisten etwa gezielt in einen Hinterhalt gelockt und angegriffen. 

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