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< Gewalt in der Pflege

Menschen ermutigen, die sich einmischen

Preise für Zivilcourage

Hinsehen und helfen wird belohnt

© contrastwerkstatt, fotolia

 

In Deutschland gibt es viele Preise, die an Jugendliche oder Erwachsene vergeben werden, die durch ihren couragierten Einsatz zum Vorbild in Sachen Bürgermut geworden sind. Wir stellen vier dieser Preise und ihre Preisträger beispielhaft vor.

 

Ein bekannter Preis ist der „XY-Preis für Zivilcourage“, den die ZDF Fernsehfahndungssendung „Aktenzeichen XY... ungelöst“ an Menschen verleiht, die „sich in beispielhafter Weise für den Schutz des Lebens, der Gesundheit oder des Eigentums von Mitbürgern“ eingesetzt haben. Schirmherr des von Fernsehlegende Eduard Zimmermann im Jahr 2002 ins Leben gerufenen Preises ist der jeweilige Bundesinnenminister.

Der Preis ist mit 10.000 Euro dotiert und als Belohnung und Anerkennung für die Träger gedacht. Aber er soll auch ein positives Beispiel geben und zeigen, dass Hilfe gegen Gewalt mit besonnenem Handeln möglich ist. Am 8. Oktober 2014 wurde er zum dreizehnten Mal vergeben, unter anderem ging der Preis an Michele D’Amico (48) und seinen Sohn Fabio (23). Sie retteten in Ludwigsburg eine Frau, als diese am Bahnhof in ihrem Auto angegriffen und mit mehreren Messerstichen lebensgefährlich verletzt wurde.

Der ehemalige Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) hält Zivilcourage im Alltag für sehr wichtig, gerade in Ergänzung der erfolgreichen Arbeit der Polizei: „Wir können ohne die Mithilfe der Bevölkerung, ohne, dass jeder jeden Tag in seiner Umgebung sich umschaut, ob jemand Hilfe braucht, ob jemand in Gefahr ist, im Alltag nicht weiterkommen und deswegen hoffe ich, dass von diesem Preis auch das Signal ausgeht: Diese Gesellschaft ist eine Gesellschaft, in der wir füreinander stehen.“

Tatort Landstraße

Bislang gab es mehr als 50 Preisträger, darunter im Jahr 2009 den pensionierten Lehrer Alexander Karamanlaki aus Wangels (Kreis Ostholstein). Er hatte im Dezember 2008 die Vergewaltigung einer 19-Jährigen verhindert. Aus seinem Auto heraus beobachtete er auf einem Feldweg eine Rangelei zwischen einem Mann und einer jungen Frau. Weil er das Gefühl hatte, dass etwas nicht stimmt, hielt er an. Die junge Frau riss sich los und sprang zu ihm ins Auto, der Angreifer flüchtete mit seinem eigenen Wagen. Karamanlaki rief die Polizei und gab das Autokennzeichen des Flüchtenden an, das er sich gemerkt hatte. Einen Tag später wurde der Mann, ein 29 Jahre alter Familienvater, festgenommen. Ein DNA-Vergleich ergab, dass er ein Serienvergewaltiger war, den die Polizei seit 2004 gesucht hatte. Er wurde zu zehn Jahren und drei Monaten Haft mit anschließender Sicherheitsverwahrung verurteilt.

Alexander Karamanlaki, Rudi Cerne

© Jule Roehr, ZDF

Tatort Schule

Der Jugendzivilcouragepreis des Landes Baden-Württemberg zeichnet Jugendliche, Cliquen und/oder Klassen aus, „die durch ihr positives Verhalten anderen gegenüber Zivilcourage gezeigt haben“. Dieser Preis wurde im Jahr 2011 erstmals vergeben und ist mit 7.000 Euro dotiert.
Der Hauptpreis ging 2013 an den damaligen Abiturienten Fabian Schwitzer, der in der Neujahrsnacht in Heidelberg versucht hat, einen Konflikt zwischen einem jungen Mann und einem Obdachlosen zu entschärfen. Daraufhin wurde er mit Pfefferspray und einem Messer attackiert, so dass er nur durch eine Notoperation selbst gerettet werden konnte. Weitere Preisträger waren unter anderem eine junge Mutter, die mehrfach eingriff, als eine zierliche Frau von einem Unbekannten geohrfeigt wurde, sowie das Projekt „Nachtwanderer“ der Stadt Bad Mergentheim. Bei den „Nachwanderern“ handelt es sich um ehrenamtliche Tätige ab 20 Jahren, die nachts an den Wochenenden von 21 Uhr bis 2 Uhr in der Stadt Jugendliche vor Vandalismus und Gewalt schützen.
Der Jugendzivilcouragepreis ist Teil des Präventionsprojekts „Respect Yourself“ im Schwarzwald-Baar-Kreis.

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