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Wege aus der rechtsextremen Isolation

Die Arbeit der Aussteigerberater in Bayern

Das Aussteigerprogramm in Bayern verhalf bislang 85 Rechtsextremen zu einem neuen Anfang

© matthias21, fotolia

 

Seit Februar 2001 gibt es beim Bayerischen Landesamt für Verfassungsschutz ein Aussteigerprogramm. Das von Mitarbeitern der Bayerischen Informationsstelle gegen Extremismus betreute Programm zeigt potenziellen Aussteigern neue Perspektiven auf mit dem Ziel, ihr Leben in eigener Verantwortlichkeit ohne den Einfluss der rechtsextremistischen Szene zu gestalten. Bislang wurden etwa 130 Personen in das Aussteigerprogramm aufgenommen. Etwa 100 davon sind mittlerweile erfolgreich ausgestiegen. Zehn weitere Personen werden aktuell noch betreut.

Maximilian Lang (Name geändert) arbeitet seit mehr als 15 Jahren hauptamtlich beim Bayerischen Aussteigerprogramm. Er ist ausgebildeter Polizeivollzugsbeamter und seit mehr als zwanzig Jahren beim Verfassungsschutz tätig. „Ich engagiere mich seit langem ehrenamtlich für Minderheiten und habe über ein Jahrzehnt in der Fachabteilung Rechtsextremismus hier im Landesamt für Verfassungsschutz gearbeitet“, beschreibt Lang seine Erfahrungen. Insiderwissen über die rechtsextreme Szene und eine große Empathie für Menschen in problematischen Situationen sind in seinem Beruf besonders wichtig.
Längst nicht alle Aussteiger entsprechen dem Klischee vom ungebildeten, alkoholisierten Skinhead: „Aussteiger stammen aus allen Bevölkerungsschichten, wenngleich die bildungsfernen Schichten überrepräsentiert sind. Es gibt aber unter den Aussteigern auch Personen mit Realschulabschluss oder Abitur.“

Demokratische Werte vermitteln, konkrete Hilfe leisten

Die Maxime für die Arbeit der Aussteigerberater sind die schon im Jahr 1952 vom Bundesverfassungsgericht definierten Merkmale der freiheitlich-demokratischen Grundordnung. Diese Werte werden den Aussteigern zum Beispiel in Diskussionen zum aktuellen Zeitgeschehen vermittelt. So sollen die Merkmale der Demokratie verstanden und anerkannt sowie das Vertrauen zum Staat im Allgemeinen und zu den Sicherheitsbehörden und der Justiz im Besonderen aufgebaut werden. Das hilft vor allem Aussteigern, die durch die langjährige Isolation Berührungsängste gegenüber demokratischen Strukturen entwickelt haben.
Das Programm signalisiert den Rechtsextremisten außerdem, dass der Staat auch Hilfe zur Selbsthilfe geben kann: „Wir sind mit der Behördenstruktur in Bayern vertraut und verfügen über ein Netzwerk an vielfältigen Kontakten, unter anderem zu den Arbeits- und Sozialbehörden, der Justiz und zur Polizei, hier besonders zu den Staatsschutzdienststellen und dem Landeskriminalamt“, berichtet Maximilian Lang.

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