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< Prävention muss gezielt und früh ansetzen

Cannabisanbau zu Therapiezwecken

Wie kann Schmerzpatienten damit geholfen werden?

Cannabis aus Apotheken müssen Patienten meist selbst bezahlen

© Balint Radu, Fotolia

 

Im Juli 2014 fällte das Verwaltungsgericht Köln ein Urteil, das für bundesweites Aufsehen sorgte: Demnach kann der Eigenanbau von Cannabis zu therapeutischen Zwecken in Einzelfällen genehmigt werden. Das Urteil weicht die strenge Linie auf, die das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) bislang in Bezug auf den Cannabiskonsum zur Schmerzlinderung verfolgt. Doch das Amt hat bereits Berufung gegen die Entscheidung des Gerichts eingelegt. Worum geht es – und wie geht es weiter?

 

Nach Meinung vieler Mediziner sorgt Cannabiskonsum bei chronischen Schmerzen für Linderung und Krampflösung. Multiple-Sklerose-Patienten können damit gegen ihre Spastik behandelt werden. Chronische Schmerzen, etwa ausgelöst durch Tumore, lassen sich in manchen Fällen verringern. Die Tics von Tourette-Patienten wie plötzliche, schnelle Bewegungen oder Lautäußerungen können gelindert werden.

Dem trägt der Gesetzgeber bereits seit einigen Jahren Rechnung: In Deutschland können ausgewählte Medikamente auf Cannabisbasis per Rezept verschrieben werden. Außerdem können Betroffene bei der Bundesopiumstelle eine Ausnahmeerlaubnis zur Verwendung von Medizinal-Cannabisblüten aus der Apotheke beantragen. In beiden Fällen müssen die Patienten die hohen Kosten aber meist selbst tragen. Cannabisblüten kosten in der Apotheke zurzeit 15 Euro pro Gramm. Das führt zu monatlichen Kosten von 800 bis 1.000 Euro pro Patient.

Der Kölner Prozess

Diese Kosten entstehen auch den fünf Kölner Klägern. Daher möchten sie die zu therapeutischen Zwecken notwendige Menge an Cannabis lieber selbst anbauen und verarbeiten. Ihre Anträge darauf hatte das BfArM abgelehnt. Dagegen wurde in drei von fünf Fällen, die in Köln zur Entscheidung anstanden, mit Erfolg geklagt. Voraussetzung für einen Anbau zu Therapiezwecken sei jedoch, dass der schwer kranke Patient austherapiert sei, es für ihn keine andere Behandlungsalternative zu Cannabis gebe und Apotheken-Cannabis für ihn unerschwinglich sei, erklärte das Gericht. Der Cannabis-Eigenanbau bleibt demnach im Grundsatz verboten, kann aber unter bestimmten Bedingungen als Notlösung erlaubt werden.

Wie schon bei der Urteilsverkündung erwartet, hat das BfArM gegen die Urteile Einspruch eingelegt. Seine Argumente: Es sei möglich, dass sich die Kläger ein qualitativ fragwürdiges Arzneimittel herstellten. Außerdem könnten unerwünschte Nebenwirkungen auftreten. Zudem sei der Eigenanbau nicht mit internationalem Recht vereinbar. Jetzt werden sich das Oberverwaltungsgericht in Münster und möglicherweise sogar das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig mit dem Fall befassen. „Damit wird eine finanzierbare Behandlung mit Cannabisprodukten weiterhin unnötig hinausgezögert", kritisiert der Mediziner Franjo Grotenhermen, Vorsitzender der „Arbeitsgemeinschaft Cannabis als Medizin“ das Verhalten des Bundesamtes.

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