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< „Legal Highs” – alles andere als legal

Medikamentenabhängigkeit – die schleichende Sucht

Besonders ältere Menschen sind betroffen

Schlaf- und Beruhigungsmittel können abhängig machen

© Sven Weber, Fotolia

 

Bis zu 2,3 Millionen Erwachsene sind in Deutschland medikamentenabhängig – mehr ältere Menschen als junge und mehr Frauen als Männer. Das sagt die Drogenbeauftragte der Bundesregierung. Rund fünf Prozent aller häufig verordneten Arzneimittel besitzen ein eigenes Missbrauchs- und Abhängigkeitspotential. Die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen rechnet mit volkswirtschaftlichen Folgekosten von jährlich rund 14 Milliarden Euro.

 

Abhängig machen vor allem Schlaf- und Beruhigungsmittel, das sind so genannte „Tranquilizer“, sowie zentral wirkende Schmerzmittel. Ärztinnen und Ärzte tragen bei diesen Mitteln eine besondere Verantwortung. Ihre Anwendung sollte der „4K-Regel“ folgen: Klare Indikation, kleinste notwendige Dosis, kurze Anwendung und kein abruptes Absetzen. Auch die Apotheken sind gefordert, bei der Beratung zur Medikamenteneinnahme auf süchtig machende Medikamente ganz besonders hinzuweisen. Nach Apothekenbetriebsordnung besteht dazu sogar eine Verpflichtung. Bei begründetem Verdacht auf Missbrauch müssen Apothekerinnen und Apotheker die Abgabe von abhängig machenden Medikamenten verweigern.

Hauptgefahr sind die Benzodiazepine

Es sind ganz bestimmte Gruppen von Medikamenten, die zu Abhängigkeit führen: Schmerzmittel (Opioide und Nicht-Opioide), Psychostimulanzien, Abführmittel, Grippemittel, Nasentropfen, alkoholhaltige Arzneimittel und als größte Gruppe die Schlaf- und Beruhigungsmittel. Die meisten Arzneimittelabhängigen sind süchtig nach Benzodiazepinen und den mit ihnen verwandten »Z-Substanzen« (Zopiclon und Zolpidem). Davon sind nach Schätzungen bis zu einer Million Deutsche betroffen. Besonders alte Menschen leiden meist unwissentlich unter den Folgen der Langzeiteinnahme. Häufig nehmen sie ihre Abhängigkeit nicht als solche wahr.

Stressbewältigung und Schlaflosigkeit sind Ursachen

Viele Wege führen in die Medikamentenabhängigkeit: Menschen wollen ihre Leistungsfähigkeit steigern, ihre Probleme verdrängen, mit ihren seelischen Nöten besser zurecht kommen oder sie wollen einfach besser einschlafen können. Das gilt in der Regel für Menschen, die man sonst nicht mit dem Thema Sucht in Verbindung bringt, wie zum Beispiel Studenten, Mütter heranwachsender Kinder oder alte Menschen.
Gerade bei alten Menschen ist eine Arzneimittelabhängigkeit mit einem besonders hohen Risiko verbunden: Denn die Arzneistoffe werden bei ihnen vom Stoffwechsel langsamer abgebaut als bei jungen Menschen: Die Medikamente wirken daher länger. Wenn sie zu schnell hintereinander genommen werden ist  der Wirkstoff aus der letzten Einnahme im Körper noch nicht ganz abgebaut worden. Dies kann gravierende Folgen haben: Schlaf- und Beruhigungsmittel wie Benzodiazepine führen dann zu massiven Einbußen der geistigen und körperlichen Leistungsfähigkeit. Und das wiederum ist häufig die Ursache von Stürzen, z. B. beim nächtlichen Gang zur Toilette. Diese wiederum können teils lebensgefährliche Knochenbrüche nach sich ziehen.

Gemeinsam Wege aus der Abhängigkeit finden

Die Arzneimittelsucht kann nur in einer gemeinsamen Anstrengung aller Beteiligten – Ärzte, Apotheker und Patienten – bekämpft werden: Ärztinnen und Ärzte müssen sich beim Verschreiben von Medikamenten mit Suchtpotenzial an der „4K-Regel“ orientieren, Apotheker müssen bei der Abgabe dieser Medikamente ihrer Beratungspflicht nachkommen und die Patienten schließlich sollten ihren Medikamentenkonsum selbstkritisch im Blick behalten und im Zweifelsfall Hilfs- und Beratungsangebote wahrnehmen.

Wie erkenntman eine Medikamentenabhängigkeit?

  • Sie zeigt sich in körperlichen Symptomen: Menschen geraten schnell ins Schwitzen, wirken schläfrig, fallen öfters hin, ihnen ist übel oder sie verlieren an Gewicht. Wer Schmerzmittel gegen Migräne nimmt und davon abhängig geworden ist, kann an einem Dauerkopfschmerz leiden, dessen Ursache die zu hohe Dosierung der Medikamente ist.
  • Sie zeigt sich im Verhalten: Wenn sich ein Mensch immer mehr zurückzieht und immer häufiger Medikamente kauft, sich von verschiedenen Ärzten Medikamente verschreiben lässt oder Präparate in mehreren Apotheken kauft, um nicht aufzufallen.
  • Sie zeigt sich in weiteren psychischen Symptomen wie einer allgemeinen ängstlichen Unruhe und Anspannung, dem Verlust an früher vorhandenen Interessen und an ungewöhnlich starken Stimmungsschwankungen bis hin zur Gleichgültigkeit.
  • Auffällig wird die Abhängigkeit oft erst, wenn das Medikament plötzlich abgesetzt wird, weil man es vergessen hat, in den Urlaub mitzunehmen oder weil man aus einem anderen Grund ins Krankenhaus muss. Dann treten Entzugserscheinungen auf.

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