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Glasverbot bei Großveranstaltungen

Pappe, Plastik und Blech statt Scherbenhaufen 

Ein Glasflaschen-Verbot aus Sicherheitsgründen gibt es mittlerweile bei vielen Veranstaltungen in Deutschland 

© Nik, fotolia 

 

Ob Fußball-Derby, Rock-Konzert oder Karnevalsumzug: Vielerorts ist das Mitführen von Glasflaschen inzwischen untersagt. Grund dafür sind Unfälle, zahlreiche Schnittverletzungen und Scherbenhaufen, die nach den Veranstaltungen bereinigt werden müssen.

Polizeiarbeit in Scherben 

Köln war eine der ersten Städte, die ein Glasverbot zu Karneval einführten. Das war im Jahr 2010. Polizeioberrat Volker Lange von der Kölner Polizei hat das Konzept „Straßenkarneval in Köln – Mehr Spaß ohne Glas“ mitentwickelt. Es wurde von der Stadt Köln gemeinsam mit der Polizei Köln und dem Festkomitee Kölner Karneval erarbeitet. Das Ziel: Tolle Tage ganz ohne Glas, stattdessen mit Papp- oder Plastikbechern und mit Dosen. Der damalige Einsatzleiter Lange war im Dienst schon selbst mit einer Flasche beworfen um am Arm getroffen worden. Die Folgen einer solchen Attacke können verheerend sein, denn die Scherben der berstenden Flaschen werden durch die Kohlensäure zusätzlich beschleunigt: Die scharfkantigen Teile fliegen wie Geschosse umher. Bei Einsätzen an Karnevalsabenden müssen die Beamten aber nicht nur sich selbst, sondern vor allem die feiernden Menschen schützen – selbst, wenn sie randalieren: „Wenn alles voller Scherben liegt, kann man nicht einfach jemanden zu Boden bringen und fesseln – der verletzt sich doch dabei“, gibt Lange zu bedenken. Wer sich in Köln zu Karneval nicht an das Glasverbot in der Feierzone hält, muss mit empfindlichen Strafen rechnen: Es droht ein Bußgeld bis zu 60 Euro für Privatpersonen; für Gastronomen und Kioskbetreiber werden Geldstrafen von bis zu 1.000 Euro fällig, im Wiederholungsfall sogar bis zu 5.000 Euro. 

Positive Bilanz in vielen Städten 

Beim Feiern ohne Glas gibt es weniger Schnittverletzungen. Das ist die grundlegende Bilanz von Städten, in denen es zeitlich begrenzte Glasverbote gibt. Besonders beim rheinischen Karneval waren die Scherben auf der Straße ein Problem: In Düsseldorf wurden an Karneval 2010 rund 200 Schnittverletzungen gezählt. Platte Auto- und Fahrradreifen gab es ebenfalls zuhauf. Nachdem das Glasverbot eingeführt wurde, kam es zu Karneval 2011 nur noch zu 13 Schnittverletzungen. Polizeisprecher Andreas Czogalla begrüßt das Glasverbot: „Je weniger Glas es gibt, desto besser.“ Er kann sich noch an Zeiten erinnern, an denen es regelrechte Scherbenteppiche zu Karneval gab: „Das Glas lag Zentimeter hoch.“ Das war ein Grund, warum die Pfotenschoner für Diensthunde eingeführt wurden. Die kleinen Schühchen sollen die Tiere vor den Scherben schützen. Wenn sich aber alle an das Glasverbot halten, sind Überzieher für die Vierbeiner überhaupt nicht nötig. Auch 2013 wurde die Altstadt an den tollen Tagen zur scherbenfreien Zone erklärt: 185 Mitarbeiter vom Ordnungsamt und von Sicherheitsfirmen waren im Einsatz und kontrollierten an verschiedenen Standorten, ob sich in den Taschen der Besucher Glas befand. Die meisten Jecken nahmen die Aktion positiv auf und zeigten sich einsichtig, so die Bilanz des Düsseldorfer Ordnungsamts. Auch in Köln und Mainz war das Glasverbot zum Fasching erfolgreich. Der Entsorgungsbetrieb der Stadt Mainz sammelte im Jahr 2012 gut vier Tonnen Glas am Schillerplatz ein – ein Rückgang von fast einem Viertel der Gesamtglasmenge. Der Glasbruch ging sogar um die Hälfte gegenüber dem Vorjahr zurück. Es gab nur 23 Schnittverletzungen. Aber nicht nur zur Fastnachtszeit, auch bei Rockkonzerten, etwa beim „Rock unterm Förderturm“ in Castrop-Rauxel, bei Schützenfesten oder beim Revier-Derby Borussia Dortmund gegen Schalke 04 in Dortmund wurden Glasverbote verhängt – mit ebenfalls positivem Ergebnis. 

Zu Karneval gab es vor dem Glasverbot regelrechte Scherbenteppiche in vielen Städten

© travelguide, fotolia

Klagen gegen Glasverbote 

Trotz des Rückgangs an Verletzungen durch Glasverbote bei Veranstaltungen sind nicht alle Menschen von der Tatsache begeistert, aus Dosen, Papp- oder Plastikbechern trinken zu müssen. Die Verordnung ist auch nicht nach dem Geschmack aller Händler und Gastwirte: In München hatte ein Wirt gegen ein ganztägiges Glasverbot bei Fußballspielen auf der Feiermeile in Schwabing geklagt. Mit Erfolg: Es werde kein absolutes Glasverbot mehr geben, räumte die Stadt ein. Das Verfahren wurde eingestellt. Abgelehnt wurde hingegen die Klage eines Mannes gegen das Glasverbot beim Schützenfest in Wevelinghoven. Er hatte in dem Verbot eine willkürliche Anordnung der Stadt Grevenbroich gesehen. Das Verwaltungsgericht Düsseldorf sah das anders und lehnte die Klage Anfang 2013 ab. Schließlich habe es vor dem Glasverbot ein hohes Risiko für Schnittverletzungen durch Glasscherben gegeben, so das Gericht. Auch in Köln wurde geklagt: Zwei Männer, einer davon ein Kioskbesitzer, hatten gegen das 2010 für Karneval verhängte Glasverbot in der Domstadt geklagt. Im Februar 2012 entschied das nordrhein-westfälische Oberverwaltungsgericht (OVG) in Münster jedoch, dass diese ordnungspolitische Maßnahme aus Sicherheitsgründen gerechtfertigt ist. Schließlich bergen Scherben eine Verletzungsgefahr. Eine Revision wurde nicht zugelassen. Somit ist das Urteil des OVG NRW vom 9. Februar 2012 richtungsweisend: Ein Glasverbot durch Allgemeinverfügung bei einer großen Karnevalsveranstaltung ist rechtmäßig. Der Kölner Stadtdirektor Guido Kahlen: „Das Glasverbot hat genau das gebracht, was wir uns erhofft hatten. Die Zahl der Schnittverletzungen und Zwischenfälle ist deutlich zurückgegangen. Unser Schutzinteresse ist von den Menschen in der Stadt akzeptiert worden. Sie sehen das Glasverbot nicht als Gängelung, sondern als passgenaues Schutzinstrument.“ (ks) 

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