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Wer nichts tut, verliert sein Gesicht!

Mobbing ist nach wie vor ein ernstzunehmendes Problem – auch an deutschen Schulen. Studien zufolge ist mehr als jeder zehnte Schüler mindestens einmal wöchentlich Opfer von Mobbing oder selbst an Mobbing beteiligt.

Gemeinsam gegen Mobbing aktiv werden

Bei Fairplayer.Manual geht es im ersten Schritt um den Grundgedanken von „Fairplayer“. „Unser Leitspruch ist „Wer wegsieht, verliert sein Gesicht!“, erklärt Projekoordinator Stephan Warncke. „Das soll den Jugendlichen von Anfang an klar sein.“ Anschließend werden die Klassenregeln – sofern sie bereits existieren – hinterfragt oder neue Regeln für die Projektphase aufgestellt. Danach wird den Jugendlichen verdeutlicht, welche verschiedenen Formen von Gewalt es gibt. „Physische Gewalt kennen alle Jugendlichen. Es ist wichtig, ihnen zu zeigen, dass es auch andere Gewaltformen gibt, wie zum Beispiel einander schlecht zu machen oder Gerüchte zu streuen“, so Warncke. Zusätzlich werden Trainings zu Gefühlen und zur Körpersprache durchgeführt und die vielen verschiedenen sozialen Rollen bei einem Mobbingprozess in der Schulklasse im Rollenspiel erarbeitet. „Beim Mobbing gibt es ja nicht nur den Täter und das Opfer, sondern beispielsweise auch Verteidiger des Opfers oder Unterstützer und Assistenten des Täters“, berichtet Warncke. „Alle Jugendlichen in der Klasse nehmen eine bestimmte Rolle ein. Das Programm ist so angelegt, dass die Jugendlichen diese Rolle hinterfragen, die Prozesse reflektieren und dann entsprechend Handlungsmöglichkeiten erarbeiten, um im Fall eines Mobbings in ihrem Umfeld intelligent und gemeinsam eingreifen zu können.“ Das Training erfolgt in Form von pädagogischen Rollenspielen, Gruppendiskussionen und auch Videoelementen. Darüber hinaus sollen die Jugendlichen auf Szenarien vorbereitet werden, bei denen die „richtige Lösung“ nicht gleich auf den ersten Blick erkennbar ist. „Es gibt im Alltag eines Jugendlichen immer wieder Situationen, die erst mal schwierig zu beurteilen sind“, erklärt Stephan Warncke. „Ein Jugendlicher wird gemobbt, ein anderer sieht das. Die beiden waren zwar früher mal sehr gut befreundet, haben sich dann aber verschiedenen Cliquen angeschlossen. Auch wenn der frühere Freund deswegen vielleicht noch sauer ist, sollte er von derartigen Gefühlen Abstand nehmen und trotzdem eingreifen. Bei uns geht es darum, in der Gruppe verschiedene Perspektiven abzuwägen und zusammen angemessene Lösungen für komplexere soziale Situationen zu finden und daraus gute Handlungsmöglichkeiten zu erarbeiten.“

Jeder kann etwas gegen Mobbing an seiner Schule tun

© Fairplayer e. V. / banane Design, Bremen

Bundesweit erfolgreich

Die sehr positiven Erfahrungen und Rückmeldungen der Lehrer haben dazu geführt, dass das Programm und die Fortbildungen mittlerweile auch über die Grenzen von Berlin hinaus in ganz Deutschland angeboten werden. Insgesamt wurden schon über 250 Lehrkräfte qualifiziert, und es kommen immer mehr dazu. „Wir geben den Lehrern das Manual nicht bis ins kleinste Detail vor“, so der Projekoordinator. „Sie haben immer noch Handlungsspielraum, Einzelheiten zu variieren und an die Situation in ihrer Klasse anzupassen.“

Kontakt:

Freie Universität Berlin

Arbeitsbereich Prof. Dr. Herbert Scheithauer

Projektkoordinator Stephan Warncke

Habelschwerdter Allee 45 14195 Berlin

stephan.warncke@fu-berlin.de

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