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"Das Netz vergisst nichts"

Gespräch mit Medienpädagogin Michaela D. Brauburger  zum Thema Cybergewalt

© Photographee.eu/stock.adobe.com

 

Am Computer, auf dem Smartphone, über das Tablet: Millionen von Menschen in Deutschland sind rund um die Uhr online erreichbar. Immer öfter kommt es in der digitalen Welt zur sogenannten Cybergewalt. Dabei werden verschiedene digitale Kanäle, wie Nachrichten-Apps, SMS, E-Mail oder soziale Netzwerke genutzt, immer mit dem Ziel, einer Person zu schaden. Das Hilfetelefon "Gewalt gegen Frauen" berät zu allen Formen von Cybergewalt, darunter Beleidigung, Verleumdung, Bedrohung, Erpressung und Cyberstalking. Michaela D. Brauburger ist Medienpädagogin und Expertin auf dem Gebiet. Im Interview beschreibt sie die Wirkungsweise von Gewalt in der digitalen Welt und wie Betroffene sich schützen können.

Gibt es Formen von Cybergewalt, die besonders Frauen betreffen? 

Medienpädagogin Michaela D. Brauburger

Grundsätzlich muss man sagen: Von allen Formen der Cybergewalt können Frauen wie Männer betroffen sein. Das Thema "Sexting und seine Folgen" betrifft Mädchen und Frauen aber möglicherweise etwas öfter. Hierbei geht es um erotische Selfies in Form von Fotos oder Filmen, die zunächst gezielt an ausgewählte Adressaten geschickt werden, die diese dann ohne Einwilligung der betroffenen Person unkontrolliert verbreiten. Oft steckt der eifersüchtige Partner oder enttäuschte Ex-Freund dahinter.

Vermutlich sind es auch mehr Frauen, die – ohne es zu wissen – von ihren Partnern mithilfe von Smartphone-Einstellungen oder Spionage-Apps überwacht werden. Frauenthemen oder einzelne Frauen können zudem Ziel von Hassrede und sogenannten Shitstorms sein.

Was unterscheidet Cybergewalt von anderen Gewaltformen, die Frauen erleben?

Das Netz vergisst nichts. Inhalte, die einmal online sind, verfolgen Betroffene daher über einen langen Zeitraum. Man kann also keinen Schlussstrich ziehen. Es ist daher nicht einfach, nach der Lösung des Problems oder der Veränderung der Ausgangssituation einen Neuanfang zu planen.

Ein weiterer Punkt: Die Möglichkeiten der technischen Überwachung – zum Beispiel das Mitlesen von Nachrichten oder die Kenntnis des Aufenthaltsortes – führen mitunter dazu, dass sich Frauen noch stärker verfolgt, bedroht und hilflos fühlen. Der Grund: Sie können sich oft nicht erklären, woher der Verfolger so viel über sie weiß.

Welche Möglichkeiten gibt es, sich vor Cybergewalt zu schützen?

Das Risiko, Opfer von Cybergewalt zu werden, lässt sich mit einigen Vorsichtsmaßnahmen reduzieren. Wichtig sind etwa Passwortsicherheit und Datensparsamkeit. Auch die Auswahl geeigneter Datenspeicher für privates und intimes Bildmaterial sowie die Nutzung der Privatsphäre-Einstellungen bei Geräten und Anwendungen spielen eine Rolle. Und natürlich geht es auch um die bewusste Auswahl der Inhalte und Kontaktpersonen: Mit wem teile ich also welche Informationen? Außerdem sollte man einen Überblick haben, wie und wo man Inhalte melden kann und wie sich Kontakte blockieren oder löschen lassen.
Viele Tipps und Hinweise findet man online auf "klicksafe.de – Die EU-Initiative für mehr Sicherheit im Netz". Auch das "BSI für Bürger – das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik" bietet Orientierung.

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