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Hohe Dunkelziffer bei häuslicher Gewalt

Jede vierte Frau hat Übergriffe durch den Partner erlebt


Opfer trauen sich oft nicht, ihren gewalttätigen Partner anzuzeigen

 

© Gina Sanders, fotolia

Häusliche Gewalt spielt in unserer Gesellschaft eine weit größere Rolle als viele vermuten. Genaue Zahlen zu nennen, ist jedoch schwierig. Denn einerseits ist die Dunkelziffer enorm hoch, weil sich die Opfer nicht trauen, gegen die Täter vorzugehen, andererseits werden die angezeigten Fälle von häuslicher Gewalt in den Kriminalstatistiken nur generell erfasst. Eine Untersuchung des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) aus dem Jahr 2004 ist die erste repräsentative Studie zu diesem Thema.

 

Befragt wurden insgesamt 10.264 in Deutschland lebende Frauen im Alter von 16 bis 85 Jahren zu ihren Gewalterfahrungen in verschiedenen Lebensbereichen. Die Untersuchung zeigt, dass etwa jede vierte Frau in einer Beziehung mindestens einmal körperliche oder sexuelle Übergriffe durch den Partner erlebte. Bezogen auf Gewalt in der letzten gewaltbelasteten Paarbeziehung konnte gezeigt werden, dass die körperlichen Übergriffe sich bei 9 Prozent der Beziehungen ausschließlich auf die Ebene erzwungener sexueller Handlungen bezogen, bei 70 Prozent ausschließlich auf die Ebene körperlicher Auseinandersetzungen und bei 20 Prozent sowohl auf sexuelle als auf körperliche Übergriffe. 64 Prozent der Betroffenen erlitten durch die Gewalttätigkeiten ihres (Ex-)Partners körperliche Verletzungen wie Prellungen, blaue Flecke bis hin zu Verstauchungen, Knochenbrüchen, offenen Wunden sowie Kopf- und Gesichtsverletzungen. Von ihnen waren 27 Prozent sehr schweren bis lebensbedrohlichen körperlichen Gewalthandlungen ausgesetzt. 8 Prozent der Frauen haben sogar Waffengewalt erlebt. Die Gewalt durch den früheren Partner kommt häufiger vor (70 Prozent) und ist schwerwiegender als die in einer bestehenden Beziehung. Gewalt wirkt sich auch auf die seelische Verfassung der Opfer aus: 87 Prozent der Frauen erlitten psychische Folgebeschwerden, 56 Prozent sogar langfristige.

Kein Unterschied zwischen den Bildungsschichten

Die BMFSFJ-Studie zeigt auch, dass Täter mit höherer Bildung und höherem Sozialstatus nicht seltener oder weniger schwere Gewalt ausüben: Rund 66 Prozent der Täter lebten in Haushalten mittlerer bis hoher Einkommenslagen und rund 37 Prozent der Täter hatten hohe Bildungs- und Ausbildungsgrade. Auch erleben Frauen mit höherer Bildung und höherem Sozialstatus im Durchschnitt nicht seltener oder weniger schwere Gewalt durch ihren Partner. 70 Prozent der befragten Frauen bezogen ein eigenes Einkommen, darunter ein Drittel sogar mittlere bis hohe Einkommen. 38 Prozent der Frauen, die in schwerer körperlicher, psychischer und sexueller Misshandlung lebten, hatten (Fach)-Abitur oder einen Hochschulabschluss.

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