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Polizei und Social Media

Nutzen und Risiken richtig einschätzen


Nicht immer ist es hilfreich, Details zu Polizeieinsätzen weiterzuverbreiten

© Heiko Barth, fotolia

 

Viele Menschen finden es spannend, wenn in ihrer näheren Umgebung ein Polizeieinsatz stattfindet. Schnell werden dazu Nachrichten und Fotos über Soziale Medien verbreitet. Aber ist es wirklich sinnvoll, Details über solche Einsätze öffentlich weiterzugeben? Schließlich könnten dadurch auch Täter gewarnt werden. Sascha Braun, Justiziar der Gewerkschaft der Polizei (GdP), erklärt, welchen Einfluss Social Media auf die Arbeit der Polizei hat.

Erst denken, dann posten

Grundsätzlich ist es gut, wenn Bürgerinnen und Bürger sich für die Sicherheit in ihrem Umfeld interessieren, aufmerksam sind und sich an die Polizei wenden, wenn ihnen etwas Ungewöhnliches auffällt. Aber: „Geht es um verdeckte Maßnahmen wie etwa angehende Durchsuchungen, die stark auf den Überraschungsmoment setzen, sind öffentlich verbreitete Beobachtungen dazu etwa über soziale Medien wie Facebook der Twitter wenig hilfreich“, erklärt Braun. Nicht jede Fahrt eines Funkwagens muss gleich gepostet werden. Wenn man zum Beispiel weiß, dass eine Geiselnahme stattfindet, wegen der eine Terrorwarnung läuft, dann gilt umso mehr: erst denken, dann handeln. „Wem nützt es denn, dass ich gerade poste: „Straße xy ist von der Polizei abgesperrt.“ Will ich den Straftäter informieren? Die Einsatzkräfte unnötig in Gefahr bringen? Will ich Ängste bei anderen Bürgern schüren? Oder Gaffer an den Ort des Geschehens locken? Manchmal ist Schweigen einfach besser“, betont der GdP-Experte. Auch sei es für die Polizei wenig hilfreich, bei einer Festnahme von Menschen umringt zu werden, die ihr Smartphone gezückt haben und das Ganze filmisch oder fotografisch festhalten. „Etwas gesunder Menschenverstand, Rücksichtnahme und Zurückhaltung ist hier definitiv gefragt. Ich kann nicht die Polizei bei ihrer Arbeit behindern, und mich anschließend beschweren, wenn mein teures Smartphone herunterfällt, weil ich im Weg gestanden habe“, so Braun.

Nicht jede Info veröffentlichen

Solche Probleme sind für die Polizei nicht neu. Bereits bevor es das Internet und Soziale Medien gab, war es bereits Teil der Aufgabe der Polizei, gewisse Maßnahmen vor der Öffentlichkeit zu schützen. Und auch der Umgang mit Medien musste erst gelernt werden. Die Geiselnahme von Gladbeck im Jahr 1988 hat sowohl die Kommunikation der Polizei, aber auch den deutschen Journalismus nachhaltig verändert. Damals hatten Journalisten in der Kölner Innenstadt Interviews mit den Geiselnehmern am heruntergekurbelten Pkw-Fenster geführt, während die Geiseln hinten im Wagen saßen. „Der Unterschied zu heute: Mit Journalisten und deren Verbänden konnte die Polizei damals sprechen und eine Reduzierung von Informationen aus ermittlungstaktischen Gründen vereinbaren – eine verantwortungsvolle Berichterstattung und eine gewisse Berufsethik kann man seitdem voraussetzen. Bei den Sozialen Medien funktioniert dies aber nicht so einfach. Dort macht im Prinzip jeder, was er will“, so Braun.

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