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Begleitschutz für den Castor

Die Polizei als Vermittler zwischen nicht zu vereinbarenden Interessen

Ein Castorzug beladen mit radioaktivem Material

© Polizei Niedersachsen

 

Im Niedersächsischen Wendland leistet die Polizei einen ihrer aufwändigsten Einsätze: Die Begleitung der Atommülltransporte ins Zwischenlager Gorleben.

Der erste Eindruck trügt: Beim Anblick hunderter Menschen mit roten Zipfelmützen auf dem Kopf, die eng zusammensitzend Seifenblasen in die umstehende Menge pusten, könnte man an diesem kühlen Novembermorgen kurzzeitig an eine spontane Motto-Party glauben. Doch für diejenigen, die hier zusammengekommen sind, ist die Sache ernst. Gemeinsam blockieren sie seit mehreren Stunden den Schienenverkehr in Richtung der kleinen niedersächsischen Stadt Dannenberg. Jenem Ort, wo die beladenen Atommüllbehälter des Typs HAW 28 M, besser bekannt als „Castoren“, für ihren Transport ins Zwischenlager Gorleben auf LKWs umgeladen werden sollen. Freiwillig räumt hier keiner seinen Platz und so müssen hunderte Polizisten die Demonstranten mit vereinten Kräften von den Gleisen tragen. Zu Auseinandersetzungen kommt es nicht. Der Protest verläuft diesmal friedlich, verzögert aber die Ankunft der Züge in Dannenberg wieder um einige Stunden.

Die lachende Sonne steht für den friedlichen Protest gegen Atomkraft

© ThKatz, fotolia

Ausdauernder Widerstand

Die Hartnäckigkeit der Wendländer ist bemerkenswert: Seit über dreißig Jahren wehren sich die Bewohner des östlichen Rands der Lüneburger Heide mit Demonstrationen und Protestaktionen gegen die Lagerung von Atommüll im benachbarten Zwischenlager Gorleben. Kern des Widerstands ist der Landkreis Lüchow-Dannenberg: Viele Häuser sind hier dauerhaft mit Anti-Atom-Parolen geschmückt und auch die lachende Sonne – Sinnbild des friedlichen Protests gegen die Nutzung der Atomkraft – findet sich auf Fahnen, Transparenten oder Autoaufklebern. Viele Initiativen haben sich in den letzten Jahren gebildet, aber kaum eine ist so vernetzt und aktiv in ihrer Arbeit wir die Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-Dannenberg mit über 1000 Mitgliedern aus allen Schichten und jeden Alters. Einer von ihnen ist Udo Jentzsch, Diplom-Physiker im Ruhestand. Er hat selbst in einem Forschungsreaktor gearbeitet. Als er in Tageszeitungen befürwortende Leserbriefe zur Atommülllagerung in Gorleben aus wissenschaftlichem Umfeld las, entschied sich Udo Jentzsch zu handeln: Er schrieb Gegendarstellungen und führte Informationsveranstaltungen für die Bevölkerung durch. „Heute lässt sich hier keiner mehr ein X für ein U vormachen“, erklärt der Naturwissenschaftler. Wie auch andere Repräsentanten der Bürgerinitiative, distanziert er sich entschieden von den immer wieder vorkommenden gewalttätigen Übergriffen auf die an den Transporten beteiligten Polizeibeamten.

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